Österreichisch-Slowakisches Maßnahmenpaket gibt der March fast einen Kilometer Flusslauf zurück
Im Rahmen der Renaturierungsprojekte reConnect und Restore4Life verbinden Österreich und die Slowakei in grenzübergreifender Kooperation zwei Mäander wieder mit der March und verlängern damit ihren Verlauf um rund 900 Meter. Die Maßnahmen zwischen Hohenau und Ringelsdorf in Niederösterreich stärken die flusstypische Biodiversität, tragen zum passiven Hochwasserschutz bei und unterstützen das Ziel des „Guten ökologischen Zustands“ der March gemäß Wasserrahmenrichtlinie sowie des „Günstigen Erhaltungszustands“ der Schutzgüter in den Europaschutzgebieten.

Bilateraler Erfolgskurs mit Tradition
Je freier der Verlauf eines Flusses, umso mehr Dynamik, Leben und Vielfalt kann er in seine Umgebung bringen. Kurz: Die „Umwege“, die ein Fluss nimmt, lohnen sich für die Natur. Seit vielen Jahren revitalisiert viadonau gemeinsam mit den Partnern der Nachbarländer Tschechien und Slowakei Flussabschnitte an March und Thaya mit besonders großem ökologischen Entwicklungspotenzial. Abgetrennte Mäander werden wieder angebunden, der Fluss wird von seinem starren, begradigenden „Korsett“, das ihm einst von Menschenhand angelegt wurde, befreit und Uferverläufe werden ingenieurbiologisch aufgewertet. Auf diese Weise wird die Konnektivität zwischen Fluss und Au wieder nachhaltig verbessert und zugleich der Hochwasserschutz gestärkt. Vorhaben wie LIFE Untere March-Auen (in den Jahren 2017-2019), Kli-Ma (2021-2022), Thaya 2020 (2018-2020) und Nature Connect Dyje/Thaya (2024-2026) bilden herausragende Meilensteine des gemeinsamen Entwicklungskurses in Sachen integrativer Flussbau. Nun sind die beiden jüngsten Renaturierungsprojekte an der March, reConnect und Restore4Life, angetreten, um diese länderübergreifende Erfolgsgeschichte fortzuschreiben.

Gemeinsamer Maßnahmenplan für die March
Die March-Thaya-Auen bilden gemeinsam mit den Donauauen die größte zusammenhängende Auenlandschaft Mitteleuropas und damit ein ebenso vielfältiges wie einzigartiges Refugium für seltene Arten. In einem so kostbaren Naturraum, der zugleich Grenzregion ist, gilt es für seinen Schutz und seine Entwicklung konkrete Maßnahmen in qualitätsvoller nachbarschaftlicher Zusammenarbeit umzusetzen. Im Rahmen des gemeinsam mit slowakischen Partnern entwickelten Maßnahmenplans für die beiden jüngsten Renaturierungsprojekte an der March werden auf österreichischer Seite auf dem Gebiet der drei Gemeinden Hohenau, Ringelsdorf-Niederabsdorf und Drösing zwischen der Straßenbrücke in Hohenau und der Zayamündung seit März 2026 mehrere ökologische und flussmorphologische Verbesserungen verwirklicht: Durch die Rücknahme des regulierenden Steinkorsetts und die Wiederanbindung von zwei Mäandern wird der Lauf der March um 900 Meter verlängert und das Gefälle der Flusssohle verringert. Die Absenkung des Ufers im Projektgebiet verbessert nicht nur die Konnektivität des Flusses mit seinem Umland, sondern erhöht auch die Lebensraumqualität – sowohl für aquatische Lebewesen am Fluss als auch für Flora und Fauna in den umliegenden Auwaldgebieten. Neben der so erhöhten „Bewegungsfreiheit“ der March optimieren weitere Maßnahmen für den effizienten Wasserrückhalt den passiven Hochwasserschutz im Grenzgebiet.

Bundesminister Peter Hanke (BMIMI) rückt die wichtige Schnittmenge zwischen Hochwasserschutz und Umwelt in den Fokus und erklärt: „Gerade die Erfahrung aus der jüngeren Vergangenheit hat uns noch einmal verdeutlicht, dass es auch die kleinen und mittelgroßen Flüsse sind, auf die wir unser Augenmerk beim Thema Hochwasserschutz legen müssen. Heute sind wir aber in der glücklichen Lage, uns nicht nach dem Motto entweder oder zwischen Sicherheit und Natur entscheiden zu müssen. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und stärken mit innovativen Lösungen, die beides sinnvoll verbinden, hier einmal mehr die Natur einer unschätzbaren Flusslandschaft und zugleich die Hochwassersicherheit für tausende Menschen in der Region.“

Bundesminister Norbert Totschnig (BMLUK) verweist auf die erfolgreiche grenzübergreifende Zusammenarbeit sowie den Stellenwert von gewässerökologischen Maßnahmen und stellt fest: „Die aktuellen Maßnahmen hier im Grenzgebiet der March stehen in einer langen Tradition erfolgreicher bilateraler Flussentwicklung.  Sie zeigen, wie aus gemeinsamen Interessen grenzüberschreitende Projekte mit nachhaltiger Wirkung entstehen.  Gerade im Kontext der Gewässervernetzung wird die Bedeutung enger Zusammenarbeit besonders deutlich. Die Verbesserung des ökologischen Zustands unserer Gewässer, damit sie ihre vielfältigen Funktionen für Mensch und Natur erfüllen können, ist dabei ein entscheidender Schlüssel für eine nachhaltige Entwicklung. Es freut mich sehr, dieses wichtige Renaturierungsprojekt mit Mitteln aus dem Umweltförderungsgesetz mit 405.000 Euro unterstützen zu können.“

Landeshauptfrau-Stellvertreter NÖ Stephan Pernkopf macht auf die besondere Rolle für den Hochwasserschutz in Niederösterreich aufmerksam: „Vor genau zwanzig Jahren trat die March über die Ufer und richtete verheerende Schäden an. Schutz und Sicherheit stehen für uns in Niederösterreich daher an erster Stelle, wir investieren kräftig in wirkungsvolle Hochwasserschutzmaßnahmen. Dazu gehört auch, den Flüssen wieder mehr Raum zu geben. Denn im Katastrophenfall können so Fließgeschwindigkeiten reduziert, mehr Überschwemmungsflächen geschaffen und Hochwasserpegel abgesenkt werden. Das ist Renaturierung, die absolut Sinn macht und das Leben sicherer und damit auch leichter macht.“

Landesgeschäftsführer des NÖ Landesfischereiverbands Gregor Gravogl freut sich auf die positive Wirkung der Maßnahmen auf die Fischpopulation und erklärt: „Ist der Lebensraum dynamisch und vielfältig, ist es auch seine Tierwelt. Durch die Anbindung der Mäander und die Einbeziehung ungesicherter Ufer werden wieder abwechslungsreiche Flussabschnitte geschaffen, die es in den begradigten Strecken der March kaum mehr gab und mit ihren unterschiedlichen Strömungsverhältnissen nun eine größere Vielfalt an Fischen anziehen.“

 

Projekthintergründe und Finanzierung
reConnect
wird von viadonau als Unternehmen des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur umgesetzt und vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft, Land Niederösterreich, NÖ Landesfischereiverband, Fischereirevierverband II sowie von der Österreichischen Fischereigesellschaft gegr. 1880 unterstützt und widmet sich der weiteren Revitalisierung und Vernetzung des March-Thaya-Flusssystems. Mit einem Gesamtbudget von rund 2,7 Mio. Euro werden die Maßnahmen bis 2027 umgesetzt.

Restore4Life wird von der Europäischen Union kofinanziert und ist ein seit 2024 laufendes, internationales Projekt, das im gesamten Donaubecken umgesetzt wird. Die Maßnahmen an der March im Rahmen von Restore4Life werden 2026 umgesetzt. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund
260 000 Euro.

Das Projektgebiet an der March ist eine von vier „Demonstration Sites“, an denen das Vorhaben mit der Wiederherstellung der Fluss-Au-Konnektivität und des ökologischen Gleichgewichts nachhaltige Verbesserungen für Flussökosysteme und ihre Widerstandsfähigkeit erzielen will.

Teil des gemeinsamen Maßnahmenplans an der March ist die Wiederanbindung des Mäanders DVIa, Foto: © viadonau